es beginnt.

Vor Jahren führte ich schonmal ein Blog – Literaturblog, Werbung für Verlage, Autor:innen und das unbezahlt. Irgendwann Sinnleere. Warum habe ich das gemacht? Es gibt tausend derartiger Seiten. Jedes zweite Video beginnt mit „Hallo ihr Lieben“ und endet mit „Lasst mir ein Like da!“  das ist nicht meine Welt und wird es auch nie sein. Erzogen dazu, immer zu hinterfragen, führt bei meiner Person dazu, das ich irgendwann nicht mehr so recht verstand, was ich da eigentlich tue. Weniger hatten die noch nicht bekannten Autor:innen etwas davon, vielmehr die großen Verlage, die mir ihre Werbung zuschicken konnten. Ich habe dann kostenlos Werbung gemacht. Die meiste Zeit, da in der Regel auch nur Bücher, die ich tendenziell mögen könnte, ankamen. Irgendwann wurde ich kritischer. Verstand gewisse Abläufe des Kapitalismus, der Werbung und wollte nicht mehr. Abbruch. Blogposts löschen. Binnen Minuten war jahrelang Arbeit gelöscht. Das süße Design verschwand, auch die Facebookseite wurde eliminiert.

Was für ein gutes Gefühl. Mit den Büchern, die ich ich las, kann ich mich heute nicht mehr identifizieren. Zu viel ist passiert. Den Blog habe ich 2012 gegründet, mit 23. Ich hatte noch keine schlechten Erfahrungen im Leben gesammelt, also abseits von „Person A ist mega fies zu mir und scheiße!“ – dass alles sollte noch kommen und mich stark politisieren, kritischer, wütender und ja, auch mutiger machen..

„Wenn das Leben dir Zitronen gibt..:“ – Wir alle kennen diesen Spruch, der gerne in deutschen Küchen an der Wand klebt. Zigarette rauchend denke ich über diesen Spruch nach. Mein Leben gab mir gefühlt einen Obstsalat aus Citrusfrüchten, eine Frucht saurer und unbekömmlicher als die andere. Zunächst hat mich das erschlagen, ich fühlte mich eine lange Zeit wie die stille Beobachter:in meines eigenen Lebens, eingefroren und nicht im Stande mich zu befreien, mein Herz so oft gelähmt. Themen, mit denen ich mich konfrontiert sah, aber nicht die Kraft dazu hatte, ploppten auf. Der Tod meiner Großmutter, ein immer und immer wieder verschobener Besuch, dann endlich ein Wiedersehen, der Kampf geht weiter! Für Gerechtigkeit, Für die Wahrheit und für Freiheit! Nach einer langen Zeit der Abschottung  kann ich nun endlich nach vorne schauen. Zu diesem Prozess gehörte aber auch der Kontaktabbruch mit Menschen die mir nicht gut tun, raus aus ungesunden Freundschaften und Zweckgemeinschaften. Die Freundinnen und Freunde die jetzt Teil meines Lebens sind – das ist Familie! Nicht weniger, doch so viel mehr. Loyale Menschen, die hinter mir standen und stehen, egal wie oft ich zusammengebrochen bin und nicht drüber reden konnte. „Ich bin mit meinen Assis down!“ – Ja, so ungefähr. Mir ist doch egal woher Du kommst, wie alt Du bist, wie Du dich artikulierst, was dein höchster Schulabschluss ist. Noten sagen einen Scheißdreck aus, Schule ist ausgerichtet darauf, dass einige Menschen unter die Räder geraten. Hauptsache wir stimmen darüber ein, was wichtig ist. Ob du dabei PC bist oder eher pöbelig – nichts könnte unwichtiger sein, solange wir uns bei den wichtigen Dingen einig sind: Gegen jeglichen Faschismus, gegen Homophobie, Sexismus, subversiv den Eliten, gegen Pseudosubkultur und gegen Pseudoaufrichtigkeit. Ich beispielsweise hatte ein überdurchschnittlich schlechtes Abitur, würde mich trotzdem als kluge Person bezeichnen. Noten sagen nichts aus über uns, das sind Zahlen auf einem Stück Papier, dem wir Bedeutung zumessen. Diese Noten sind nur dazu da, damit du „für deinen späteren Job geeignet bist“ – ist irgendwem aufgefallen, dass wir lernen um zu arbeiten? Und nicht lernen um zu leben? „das muss ich nicht lernen, das brauch ich niemals im Job!“ – Wie oft hab ich das meinem Mathelehrer gesagt, wenn ich wieder mal nichts vom Dreisatz hören wollte. Wir sind aber nicht nur unser zukünftiger Job, wir sind so viel mehr als das! Und all das was wir in der Schule lernen, soll die Grundlage für unsere Allgemeinbildung sein! Hat bei mir so semi geklappt, denn in der Oberstufe verzichtete man auf das Fach Sozialkunde. Unwichtig, zumal 2009 meine erste Wahl anstand.

Da sind vielleicht noch sowas wie „wahre“ Probleme, Probleme, die das Leben von Menschen bestimmen, Zustände, die man nicht einfach mit einer Umarmung lösen kann. Das sind Dinge, die mich prägten, die mich veränderten, die dazu führten, dass ich nicht mehr alles unkritisch betrachten kann. Das Leben kann verflucht kurz sein, es kann schnell sein, es kann sich oft unfair anfühlen und auch sein. Solange wir aber aufstehen und für unsere Überzeugungen einstehen, ist es lebenswert. Als verwöhnte Individuen fällt es oft schwer, Dinge zu hinterfragen. Eigentlich ging es „uns“ ja immer gut. Jetzt plötzlich geht’s allen schlechter. Warum? Das ist schnell geklärt, das personifizierte Böse gefunden, es sind all jene Menschen, die unter anderem wegen deutscher Waffen flüchten müssen. Angst wird geschürt und nach unten getreten.

Wieso treten wir, die auch schon unten sind, denn noch weiter auf unten ein? Ist das nicht genau der falsche Schritt? Wenig Ahnung von politischer Theorie und mich auch nie als Theoretiker:in verstanden. Die Wichtigkeit zu lesen und sich zu bilden, verstanden. Politik ist für mich aber mehr als nur verstaubte Zitate auspacken und im richtigen Moment genau das richtige reproduzieren zu können. Vielmehr fühlt es sich falsch an, Verständnis für die Regierenden aufzubringen, die ganz offensichtlich ein anderes Interesse verfolgen: „Schutz der Unternehmen“. Die Verbraucher:innen sind egal – das Unternehmen zählt. Muss ich für derartiges Verhalten schon in jungen Jahren Verständnis haben? Nein – in meinen Augen sollte man dafür nie Verständnis aufbringen können. Aber das steht nochmal auf einem ganz anderen Blatt.

Politik scheint etwas unschönes, rohes und gewaltiges zu sein. Menschen, die Freundschaft an oberste Stelle, als die Voraussetzung für politische Zusammenarbeit, schreiben, müssen sich darauf einstellen, fies damit aufs Maul zu klatschen und sich mindestens einen Zahn auszuschlagen. Es können immer Freundschaften entstehen, diese müssen es dann aber auch aushalten sich im politischen Diskurs zu streiten. Friede, Freude, Eierkuchen – das war ’ne andere Baustelle. Zumindest im ernstgemeintem Parlamentarismus. Diese andere Blase gibt es auch: Die Hochschulpolitik. Das ist ein Thema, auf das ich mich besonders freue. Seit Jahren sitze ich im Studierendenparlament und diversen anderen Gremien. Die Entwicklungen und Veränderungen dort sind bezeichnend für den Umbruch in unserer Gesellschaft. Dieses Blog soll meine Gedanken zu politischen Themen sammeln, aber auch darüber hinaus werden Bücher, Artikel und politische Begriffe besprochen, ich lasse das erst einmal auf mich zukommen.

Es beginnt.

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