Die Blase platzt!

Wie eine große, klebrige Kaugummiblase die soeben zerplatzt ist und auf meinem kompletten Gesicht die Überreste, die geschmacklose Masse verschmilzt mit mir zu etwas, was ich nie sein wollte. So fühlten sich die letzten Monate an. Zu erst war es nur wie ein leichtes Kitzeln im Gaumen, immer häufiger hatte ich den Drang zu widersprechen beziehungsweise gab der Vorschlag der Einführung von Awareness-Gruppen mir den Rest. „We all should be feminists“ – schreiben wir gerne auf Sticker oder Buttons und alle die keinen Bock auf Feminismus haben sind entweder Maskulinisten oder wissen es einfach noch nicht besser. Mag sein, dass es so Menschen gibt – ich kenne mindestens einen Maskulinisten, der regelmäßig auf Facebook (und zwar nur da) Feminismus als Krebsgeschwür bezeichnet und sich dafür von seinen Freunden abfeiern lässt. Jemand der es gerne allen Gleichstellungsbeauftragten mal zeigen würde und den verwöhnten Gören auch. Das ist traurig. Das zeigt Angst und das zeigt auch, was für ein armes Würstchen dieser Mann ist. Als Totalversager innerhalb unserer neoliberalen Welt (Hallo drohende Altersarmut!) ist es aber auch einfacher die ganzen „Feminazis“ zu verteufeln, als sich mit den wahren Ursachen auseinanderzusetzen.

Wenn wir aber weiterhin den Begriff Feminismus so verwässern, dann steht am Ende eine Lifestyle-Bewegung mit einem Feminismus Shirt und natürlich den neusten „Feminismus“ Lifestyleprodukten bemalt vor dir und erklärt dir das du viel zu radikal bist und es hier irgendwie mehr darum geht, dass später ja Geld da sein muss und Männer haben da viel bessere Chancen… Feminismus ist beliebig, wenn er so ist. Es geht nicht nur um meine Ideen, sondern um so viel mehr. Es geht um unser aller Leben und die Ausgestaltung dessen. Ein paar Frauen in Machtpositionen setzen hilft da nicht. Außer das es zeigt, dass Frauen auch in Führungspositionen mitspielen können. ÜBERRASCHUNG Frauen können auch Arschlöcher sein.

Für uns wiederrum ist es aber dennoch zu krass eine Revolution zu fordern. Unsagbare Dinge. Lass lieber weiterhin versuchen möglichst viele Frauen zu erreichen und denen dann einzureden, dass wir alle Feministinnen sind. Egal wie. Feministin kann auch sein: Ich stehe für meine Rechte ein, aber halt nicht für die von denen, denen es noch schlechter geht. Dieser ganze Feminismus, wie ich ihn gerade auch  an der Universität beobachte, ist ermüdend, ich muss mich eigentlich die ganze Zeit über meine sexuelle Identität sprechen. Er vergisst oft, dass Feminismus immer intersektional und kämpferisch ist. Die Texte mit denen ich in Kontakt gekommen bin, waren alles andere als friedliebend. Sie waren polemisch, sie waren radikal und ja, das muss es sein, wenn man Leute aufrütteln will. Wenn wir nicht endlich über Machtstrukturen sprechen und wie man sie zerstört, anstatt nur über Selbstermächtigung, kommen wir nicht weiter. Nein, dann hat man plötzlich homophobe Homosexuelle im Bundestag sitzen, dann werden Ängste weiterhin auf dem Rücken der weißen Frau ausgestaltet (Wen, wenn nicht „unsere Frauen“ müssen wir vor „denen“ schützen) und dann muss ich mir weiter anhören, dass Angela Merkel toll ist, einfach weil man sie als Frau supporten muss.

NEIN! Muss. Ich. Eben. Nicht! Frauen und Männer sind Menschen. Das ist so etwas worauf man sich grundlegend einigen kann. Was macht einen Menschen aus? Jeder Mensch auf dieser Welt kann ein riesiges Arschloch sein. Mir doch egal was für ein Geschlecht die Person hat, die dafür verantwortlich ist, dass jemand wie Maaßen befördert wird, die Kriege mitfinanziert, die für Unternehmen argumentiert anstatt für die Bürger:innen usw.  Ich muss kein Verständnis für meinen Chef aufbringen, der sich übergriffig und sexistisch zeigt, nur weil ich ein privates Verhältnis zu ihm aufgebaut habe. Dass das alles Tricks des Kapitalisten sind, egal. Wir sind doch Freunde. Der Übergang von Arbeit ins Private, ist in meinen Augen der Untergang. Wir müssen nicht alle befreundet sein. Wir müssen uns auch nicht alle umarmen, um so zutun als ob uns was aneinander liegt. Als Lohnarbeitende stehst du immer unter deinem Chef in der Hierarchie. Natürlich will man dich motivieren, dass du weiter am Ball bleibst, die sexistischen Tshirts mit einem Grinsen im Gesicht stolz trägst. Vielleicht noch ein Instapic davon teilst, dass du im coolsten Laden in town arbeitest. Das ist für uns normal. Das kapitalistische Denken ist in uns übergegangen und wird nicht hinterfragt. Irgendwie muss ja Geld verdient werden. Auch das ist nicht korrekt, macht das Leben aber deutlich schwieriger. Ich weiß nicht ob ich Teil einer derartigen Gesellschaft sein kann. Seit Kleinauf Lerne ich irgendwas, damit ich einen guten Job erlernen kann. Aber was für einen Wert hat das? Wer definitiert den Wert meiner Arbeit? Warum ist meine Arbeit für viele wertlos? Sollten wir nicht auch mal unser Wertesystem abchecken? Wieso sind Pfleger:innen so wertvoll, werden aber desolat bezahlt? Wie definiert sich Wert für uns? Hat Wissen nicht auch einen Wert?

Wir wollen die Proleme aber nicht mehr sehen. Wir wollen auch endlich die Augen davor verschließen, dass wir gerade auf einen riesigen Haufen Scheiße zu rauschen. Es sind jetzt aktuell nicht die Zeiten, die Augen zu verschließen. Das einstürzende Wirtschaftsystem, die nicht funktionierende Landes- und Bundesregierung. Wir sehen das schon, aber sehen bedeutet vielleicht Konflikte führen zu müssen. Unangenehme Dinge auch auszusprechen und Diskussionen zu führen. Das geht nicht, denn a. die kritisierende Person ist definitiv Sexist, misogyn, oder oder oder und mit dem muss man gar nicht erst reden oder b. sie ist ein:e Freund:in, da muss man dann aufgrund persönlicher Loyalitäten ein Auge zu drücken oder c. man fühlt sich gerade einfach nicht im Stande eine Diskussion zu führen.

Das Ich steht aber leider immer von dem Wir. Als Einzelpersonen werden wir jedoch nichts verändern. Alleine kommen wir nicht an gegen die Kapitalist:innen und gegen das Patriarchat. Deswegen müssen auch nicht alle Frauen Feministinnen sein, denn Feminismus, das bedeutet für mich: Wir müssen solidarisch zusammen halten, gegen Ausbeutung, gegen den Kapitalismus, gegen die Leistungsgesellschaft. Wir kämpfen für eine chancengleiche Welt, dafür muss das System sich verändern und das schaffen wir nur, wenn wir an einem Strang ziehen und uns nicht in Grundsatzdiskussionen mit bspw. kapitalistischen „Feministinnen“ begeben.

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